Blog19.03.2026

Zwischen KI-Hype und Verweigerung: Brauchen wir das „Ohne KI“-Siegel?

von casc

Zwischen KI-Hype und Verweigerung: Brauchen wir das „Ohne KI“-Siegel?

Bild: Adobe Stock

Wie handhaben Sie es in Ihrem KMU: Haben Sie das Gefühl, Sie müssten KI noch viel intensiver nutzen? Oder vermeiden Sie im Gegenteil deren Einsatz ganz bewusst? Warum ich für den goldenen Mittelweg plädiere – und wie er im Alltag aussehen kann.

Wenn wir durch unsere Social-Media-Feeds scrollen oder an Plakatwänden vorbeifahren, begegnen sie uns permanent: Von KI generierte Inhalte, die meist auch als solche zu erkennen sind, zumindest für das geschulte Auge. Um diesen KI-Content tobt aktuell ein Kampf, in dem sich zwei extreme Lager gegenüberstehen.

Auf der einen Seite: Anhänger der totalen KI-Offensive, die sich deren Integration in sämtliche Bereiche unseres Lebens wünschen, auch in Marketing und Kommunikation. Auf der anderen Seite: eine wachsende Gegenbewegung, die sich „Handmade“ auf die Fahnen schreibt und davon überzeugt ist, dass der Mensch die besseren Inhalte produziert.

Fragt sich: Wo ziehen wir die Grenze zwischen den Vorteilen des technischen Fortschritts und dem, was wir abfällig als „KI-Slop“ – also minderwertigen, generischen Content – bezeichnen?

Big Player setzen auf KI – und ernten Kritik

Was nicht zu übersehen ist: Die Werbebranche experimentiert massiv mit generativer KI:

Coca-Cola

Der Getränkeriese experimentierte bereits zum zweiten Mal mit KI-generierten Weihnachtskampagnen – mit gemischter Resonanz. Technisch ist die Entwicklung beeindruckend: Tausende generierte Clips, kleine Produktionsteams, deutlich verbesserte Bildqualität. Dennoch entzündet sich Kritik immer wieder an derselben Frage: nicht ob KI eingesetzt wurde, sondern ob der Spot emotional trägt oder seelenlos wirkt.

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XXXLutz

Der Möbelhändler setzt KI gezielt zur Effizienzsteigerung ein: schneller produzieren, mehr Varianten ausspielen, geringere Kosten. Der rein KI-generierte „30 Jahre XXXL Restaurant“-Spot polarisierte stark. Von „AI Slop“ bis „meistgehasste Werbung des Jahres“ reichten die Kommentare. Die Diskussion zeigt weniger ein Technologieproblem als eine Frage der Dramaturgie: Wird KI als reiner Effekt eingesetzt, spüren Zuseher rasch die emotionale Inkohärenz.

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McDonald’s

Der Getränkeriese experimentierte bereits zum zweiten Mal mit KI-generierten Weihnachtskampagnen – mit gemischter Resonanz. Technisch ist die Entwicklung beeindruckend: Tausende generierte Clips, kleine Produktionsteams, deutlich verbesserte Bildqualität. Dennoch entzündet sich Kritik immer wieder an derselben Frage: nicht ob KI eingesetzt wurde, sondern ob der Spot emotional trägt oder seelenlos wirkt.

Beispielvideo ansehen (YouTube)

Die Beispiele verdeutlichen: Unternehmen steigern mit KI die Effizienz, sparen Kosten und nutzen sie als Spielplatz für neue Ästhetiken. Was den Fällen gemein ist: Nicht die Nutzung von KI per se, sondern fehlendes Qualitätsverständnis und Fehler führten zu Ärger bei den Kunden.

Die Gegenbewegung: Das „Ohne KI“-Siegel

Parallel zur breit gestreuten Nutzung von KI formiert sich Widerstand. Immer mehr Verlage, Illustratoren und Content Creators schmücken ihre Werke mit Siegeln wie „100% Human Made“ oder „KI-frei“. Die Botschaft: Hier stecken menschliches Blut, Schweiß und Tränen drin!

So hat beispielsweise der Loewe-Verlag ein „Ohne KI“-Label eingeführt und kennzeichnet damit entsprechende Bücher. Ziel sei, Leser:innen in einem immer unübersichtlicheren Angebot Orientierung zu geben.

Zwischen KI-Hype und Verweigerung: Brauchen wir das „Ohne KI“-Siegel?

Einordnung: Die Technologie ist nicht der Feind

Wir müssen weg von der Schwarz-Weiß-Malerei. KI ist nicht per se „schlecht“ oder „falsch“. Sie ist eine Technologie, die – richtig eingesetzt – Arbeit vereinfachen, schneller machen und kreative Blockaden lösen kann.

Der richtige Weg liegt nicht in den Extremen: Wir brauchen weder blinde KI-Gläubigkeit, die das Netz mit seelenlosem „Slop“ flutet, noch dogmatische Verweigerung, die den Fortschritt ignoriert und sich damit irgendwann selbst ad absurdum führt.

Der goldene Mittelweg ist der bewusste Einsatz als Ergänzung: KI sollte kein Ersatz für den menschlichen Funken sein, sondern das Werkzeug, das ihn heller leuchten lässt.

Was wir wirklich brauchen, ist eine klare Kennzeichnungspflicht.

  • Transparenz: Wenn ein Bild, ein Text oder ein Video maßgeblich von einer KI erstellt wurde, sollten Nutzer das wissen.
  • Ethik: Wir müssen diskutieren, woher die Daten kommen, mit denen KI trainiert wird, und wie Urheberrechte geschützt werden.


Mein Fazit: Am Ende zählt der Mehrwert

Anstatt uns blindlings in die Produktion KI-generierter Inhalte zu stürzen oder uns hinter Siegeln zu verstecken, sollten wir KI als das behandeln, was sie ist: ein mächtiges, neues Instrument in unserem Werkzeugkasten, das uns unterstützen, nicht überflüssig machen kann. Am Ende zählt das Ergebnis und der Mehrwert für den Betrachter – egal, ob die Idee mit einem Bleistift oder einem Prompt begann.

Markus Vock

Markus Vock ist Agenturleiter der CASC – full service agentur GmbH in Wien und verantwortet dort die Umsetzung digitaler Projekte. Er arbeitet im Bereich Webdesign, SEO, Online-Marketing und IT-Lösungen und ist Teil der Geschäftsführung bzw. Leitung des Unternehmens. Als Experte für digitale Strategien unterstützt er Unternehmen bei der Entwicklung und Optimierung ihrer Online-Präsenz und kombiniert dabei technisches Know-how mit gestalterischem Anspruch.

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