Website kopiert und für Betrug missbraucht: Was Sie jetzt tun sollten

Bild: ChatGPT
Die eigene Website ist für viele Unternehmen die wichtigste Anlaufstelle. Kund:innen informieren sich über Leistungen, nehmen Kontakt auf oder wickeln darüber Bestellungen und Zahlungen ab. Entsprechend groß ist das Vertrauen, das mit dem Namen, dem Logo und dem Erscheinungsbild eines Unternehmens verbunden ist.
Die eigene Website ist für viele Unternehmen die wichtigste Anlaufstelle. Kund:innen informieren sich über Leistungen, nehmen Kontakt auf oder wickeln darüber Bestellungen und Zahlungen ab. Entsprechend groß ist das Vertrauen, das mit dem Namen, dem Logo und dem Erscheinungsbild eines Unternehmens verbunden ist.
Genau dieses Vertrauen machen sich Kriminelle mitunter zunutze: Sie kopieren eine bestehende Website ganz oder teilweise und veröffentlichen sie unter einer ähnlich klingenden Domain. Für Besucher:innen ist die Fälschung oft nur schwer vom Original zu unterscheiden.
Ein solcher Website-Klon kann praktisch jedes Unternehmen treffen. Besonders gefährlich ist, dass Betroffene der vertrauten Marke oft mehr Aufmerksamkeit schenken als der tatsächlich aufgerufenen Internetadresse. Für das imitierte Unternehmen entstehen dadurch nicht nur rechtliche und technische Probleme, sondern möglicherweise auch erhebliche Vertrauens- und Reputationsschäden.
Die gute Nachricht: Gegen betrügerische Kopien lässt sich vorgehen. Entscheidend sind rasche Beweissicherung, die richtige Reihenfolge der Meldungen und eine klare Kommunikation.
Was ist „Website-Fraud“?
Bei Website Fraud kopieren Kriminelle eine bestehende Website ganz oder teilweise und veröffentlichen sie unter einer anderen Domain. Die Fälschung kann auf den ersten Blick nahezu identisch mit dem Original aussehen. Häufig werden nur einzelne Elemente verändert:
- Die Domain enthält einen zusätzlichen Buchstaben, Bindestrich oder eine andere Endung.
- Kontaktformulare senden Daten an die Täter:innen.
- Telefonnummern und E-Mail-Adressen wurden ausgetauscht.
- Zahlungen gehen auf ein fremdes Konto oder in ein Krypto-Wallet.
- Login-Felder dienen zum Abgreifen von Zugangsdaten.
- Über die Website werden gefälschte Produkte, Investments oder Stellenangebote angeboten.
Manchmal wird nicht die gesamte Website kopiert. Schon eine gefälschte Landingpage, ein nachgebautes Login oder eine Seite mit dem Namen und Logo eines Unternehmens kann für einen erfolgreichen Betrugsversuch ausreichen.
Wichtig: Eine kopierte Website bedeutet nicht automatisch, dass die echte Website gehackt wurde. Öffentlich sichtbare Texte, Bilder und Quellcode lassen sich auch ohne Zugriff auf den Originalserver übernehmen. Trotzdem sollte immer geprüft werden, ob zusätzlich ein Sicherheitsvorfall im eigenen System vorliegt.
Wie bemerkt man, dass die eigene Website kopiert wurde?
Viele Unternehmen erfahren durch Kund:innen, Geschäftspartner:innen oder Mitarbeitende von der Fälschung. Typische Hinweise sind Rückfragen zu unbekannten Rechnungen, ungewöhnlichen Bestellungen, neuen Zahlungsdaten oder E-Mails, die angeblich vom Unternehmen stammen.
Achten Sie auf Folgendes:
- Kund:innen fragen nach Angeboten oder Rechnungen, die das Unternehmen nie versendet hat.
- In Suchmaschinen erscheint neben der eigenen Website eine ähnlich aussehende Domain.
- Es tauchen Werbeanzeigen unter dem eigenen Markennamen auf.
- E-Mails kommen von Adressen, die der echten Domain nur ähnlich sehen.
- Social-Media-Profile verlinken auf eine unbekannte Website.
- Sicherheitsanbieter oder Browser warnen vor einer Domain, die den eigenen Namen verwendet.
- Bewerber:innen melden sich wegen eines Stellenangebots, das nie veröffentlicht wurde.
Einfache Möglichkeiten zur regelmäßigen Kontrolle
Kleine und mittlere Unternehmen können bereits mit wenigen Maßnahmen viel erreichen:
- Richten Sie Google Alerts für Firmen- und Markennamen ein.
- Suchen Sie regelmäßig nach Ihrem Unternehmensnamen, Ihren wichtigsten Marken und den Namen sichtbarer Mitarbeiter:innen.
- Suchen Sie markante Textpassagen Ihrer Website in Anführungszeichen. So lassen sich kopierte Inhalte finden.
- Kontrollieren Sie Suchanzeigen und Social-Media-Werbung, die bei Ihren Markenbegriffen erscheint.
- Beobachten Sie ähnlich geschriebene Domains – etwa Varianten mit Bindestrichen, Tippfehlern oder anderen Domainendungen.
Bei bekannten Marken, Online-Shops oder Unternehmen mit hohem Transaktionsvolumen reicht eine gelegentliche manuelle Suche meist nicht aus. Hier können laufendes Domain-Monitoring und Cyber Threat Intelligence sinnvoll sein. Dabei werden unter anderem neue Domains, Zertifikate, Suchergebnisse, soziale Netzwerke, Werbeanzeigen und bekannte Betrugsinfrastrukturen automatisiert beobachtet.
Die eigene Website wurde kopiert: Was ist jetzt zu tun?
1. Beweise sichern – bevor die Seite verschwindet
Der erste Impuls ist oft, sofort die Löschung zu verlangen. Zuerst sollten jedoch belastbare Beweise gesichert werden. Eine betrügerische Website kann jederzeit verändert, abgeschaltet oder auf eine andere Domain verschoben werden.
Dokumentieren Sie möglichst:
- die vollständige Domain und alle bekannten Unterseiten,
- Datum und Uhrzeit des Abrufs,
- Screenshots und – bei mehrstufigen Abläufen – eine Bildschirmaufnahme,
- kopierte Logos, Texte, Bilder, Produkte und Teamprofile,
- abweichende Kontaktdaten, Telefonnummern und Zahlungsinformationen,
- verdächtige E-Mails samt vollständigem Mail-Header,
- Werbeanzeigen und die dazugehörigen Ziel-URLs,
- Nachrichten von Betroffenen und bereits bekannte Schäden,
- Ergebnisse von Domain-, Hosting- und Sicherheitsabfragen.
Für eine strukturierte Beweissicherung kann beispielsweise das österreichische Angebot NetzBeweis hilfreich sein. Bei hohen Schäden oder einem erwartbaren Rechtsstreit sollte die Form der Beweissicherung frühzeitig mit einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt abgestimmt werden.
Rufen Sie eine verdächtige Website nicht ungeschützt auf und geben Sie dort keine Daten ein. Mitarbeitende sollten keine Testzahlungen durchführen und verdächtige Dateien keinesfalls herunterladen.
2. Prüfen, ob auch die eigene IT betroffen ist
Parallel zur Beweissicherung sollte die interne IT oder der betreuende IT-Dienstleister kontrollieren:
- Wurde die Originalwebsite verändert oder kompromittiert?
- Gibt es unbekannte Benutzer:innen im CMS oder Hosting?
- Wurden DNS-Einstellungen oder Weiterleitungen verändert?
- Sind E-Mail-Konten oder Newsletter-Systeme betroffen?
- Gibt es ungewöhnliche Logins, API-Schlüssel oder Dateiänderungen?
- Wurden Kund:innen- oder Mitarbeiter:innendaten entwendet?
Besteht der Verdacht auf einen tatsächlichen Datenabfluss, muss zusätzlich geprüft werden, ob eine Datenschutzverletzung vorliegt und Melde- oder Informationspflichten bestehen. Das ist ein anderer Sachverhalt als die bloße Kopie öffentlich zugänglicher Website-Inhalte.
3. Registrar, Hostinganbieter und Plattform ermitteln
Für einen Takedown sind meist mehrere Stellen relevant:
- Registrar: das Unternehmen, über das die Domain registriert wurde,
- Registry: die Vergabestelle der jeweiligen Domainendung,
- Hoster: der Anbieter, auf dessen Server die Inhalte liegen,
- CDN oder Schutzdienst: beispielsweise ein vorgeschalteter Proxy,
- Website-Plattform: etwa ein Shop-, Baukasten- oder Cloudanbieter,
- Zahlungsdienstleister: wenn über die Website Zahlungen abgewickelt werden.
Registrierungsdaten internationaler Domains lassen sich über den ICANN Lookup beziehungsweise RDAP-Dienste abfragen. Für .at-Domains stellt nic.at eine Domainabfrage bereit.
Wegen Datenschutz- und Proxy-Diensten ist der tatsächliche Domaininhaber häufig nicht öffentlich sichtbar. Die zuständigen Abuse-Kontakte des Registrars bleiben in der Regel dennoch auffindbar.
Wichtig bei Cloud- und Proxy-Diensten: Der sichtbare Anbieter ist nicht immer der eigentliche Hoster. Eine Abuse-Meldung kann trotzdem sinnvoll sein, weil sie weitergeleitet oder der Schutz für die betrügerische Website eingeschränkt werden kann.
4. Eine vollständige Abuse- und Takedown-Meldung senden
Eine kurze Nachricht mit dem Satz „Diese Website ist gefälscht“ reicht oft nicht. Eine gute Meldung enthält:
- die betrügerische Domain und konkrete URLs,
- die offizielle Domain des betroffenen Unternehmens,
- eine kurze, sachliche Erklärung des Missbrauchs,
- Screenshots und weitere Belege,
- Hinweise auf Phishing, Betrug oder konkrete Gefährdungen,
- Nachweise zu Marke, Firmenname oder übernommenen Inhalten, soweit vorhanden,
- eine eindeutige Aufforderung zur Prüfung, Sperrung oder Entfernung,
- Kontaktdaten einer verantwortlichen Person oder der Rechtsvertretung.
Nicht jeder Dienst kann die Domain selbst löschen. Ein Hoster kann Inhalte deaktivieren, ein Registrar die Domain sperren, eine Suchmaschine Warnungen anzeigen oder Ergebnisse entfernen und ein Zahlungsanbieter Transaktionen beziehungsweise Konten prüfen. Deshalb werden mehrere Meldungen häufig parallel benötigt.
5. Browser, Suchmaschinen, Werbeplattformen und Zahlungsdienste informieren
Auch wenn ein vollständiger Takedown nicht sofort gelingt, lässt sich die Reichweite oft rasch reduzieren:
- Phishing-Seiten können bei Google Safe Browsing gemeldet werden.
- Verdächtige URLs lassen sich mit VirusTotal durch mehrere Sicherheitsdienste prüfen.
- Betrügerische Such- oder Social-Media-Anzeigen sollten direkt bei der jeweiligen Werbeplattform gemeldet werden.
- Gefälschte Social-Media-Profile können als Identitäts- oder Markenmissbrauch gemeldet werden.
- Banken, Kreditkartenunternehmen und Zahlungsdienstleister sollten bei missbräuchlichen Konten oder Zahlungslinks unverzüglich informiert werden.
- Die Watchlist Internet sammelt Hinweise zu Online-Betrug in Österreich und bietet Informationen und Beratung. Für verdächtige Shops steht außerdem der Fake-Shop Detector zur Verfügung.
Das Entfernen aus Google allein löscht die Website nicht. Umgekehrt verhindert ein Antrag beim Hoster nicht automatisch, dass bereits vorhandene Anzeigen, Suchtreffer oder Social-Media-Posts weiter auf die Domain verweisen. Ein wirksamer Takedown ist daher meist ein Bündel aus mehreren Maßnahmen.
6. Kund:innen und Mitarbeitende gezielt warnen
Wenn die Fälschung bereits verbreitet wird, sollte das Unternehmen aktiv informieren. Geeignete Maßnahmen sind:
- ein gut sichtbarer Warnhinweis auf der offiziellen Website,
- eine Mitteilung über die eigenen Social-Media-Kanäle,
- eine Information an Kund:innen und Geschäftspartner:innen,
- ein kurzes internes Briefing mit klaren Antwortbausteinen,
- der Hinweis auf die einzig gültige Domain und offizielle Zahlungsdaten.
Die Warnung sollte konkret sein, ohne die betrügerische Website unnötig zu bewerben. Verlinken Sie die Fake-Domain nicht anklickbar.
7. Cybercrime melden und gegebenenfalls Anzeige erstatten
In Österreich können Verdachtsfälle an die Meldestelle against Cybercrime des Bundeskriminalamts unter against-cybercrime@bmi.gv.at geschickt werden. Die Meldestelle bietet Informationen und nimmt Hinweise entgegen.
Wurde Ihr Unternehmen oder wurden Kund:innen bereits geschädigt oder gibt es konkrete Hinweise auf Täter:innen, sollte eine Strafanzeige bei einer Polizeidienststelle geprüft werden. Das Bundeskriminalamt weist ausdrücklich darauf hin, dass eine formelle Anzeige derzeit nicht per E-Mail über die Cybercrime-Meldestelle möglich ist, sondern bei jeder Polizeidienststelle erstattet werden kann.
Welche Rechtsanwält:innen helfen in Österreich?
Bei Website Fraud treffen oft mehrere Rechtsbereiche zusammen: Strafrecht, IT-Recht, Marken- und Urheberrecht, Wettbewerbsrecht, Datenschutzrecht und Zivilprozessrecht. Die passende Kanzlei sollte daher nach dem konkreten Fall ausgewählt werden.
ATB.LAW – Cybercrime, IT-Recht und Incident Response
Die Kanzlei ATB.LAW und das Team rund um Roman Taudes verbindet Kompetenzen in Cybercrime, IT-Recht, Datenschutz und Compliance, Prozessführung sowie Kryptonachverfolgung und bietet auch Unterstützung bei Cyberangriffen beziehungsweise Incident Response an.
Diese fachübergreifende Aufstellung kann bei komplexeren Fällen wichtig sein – etwa wenn neben dem Takedown bereits Zahlungen geflossen sind, Daten missbraucht wurden, Krypto-Transaktionen verfolgt oder Ansprüche gerichtlich durchgesetzt werden müssen.
Welche Takedown-Dienste gibt es für österreichische Unternehmen?
Es gibt nicht den einen zentralen österreichischen Takedown-Dienst für alle Fälle. Viele Unternehmen kombinieren ihre IT-Betreuung, spezialisierte internationale Anbieter und österreichische Rechtsberatung.
Red Points
Red Points bietet Monitoring und Domain-Takedowns bei Markenmissbrauch, Spoofing und gefälschten Websites.
Netcraft
Netcraft unterstützt bei der Erkennung und Bekämpfung von Phishing, Fake-Shops, gefälschten Domains und weiteren Cybercrime-Infrastrukturen.
Diese Dienste richten sich vor allem an Unternehmen, die nicht nur einen einzelnen Vorfall lösen, sondern Marken, Domains und digitale Kanäle dauerhaft überwachen möchten. Preise, Vertragsmodelle, Reaktionszeiten, unterstützte Sprachen und der konkrete Umfang sollten direkt angefragt und verglichen werden.
Wie kann man Website Fraud vorbeugen?
Vollständig verhindern lässt sich das Kopieren öffentlich sichtbarer Inhalte nicht. Unternehmen können den Missbrauch jedoch früher erkennen und seine Wirkung begrenzen:
- relevante Marken und Logos registrieren lassen,
- ähnliche und besonders naheliegende Domains selbst sichern,
- SPF, DKIM und DMARC für die eigenen E-Mail-Domains korrekt einrichten,
- Domain- und Markenmonitoring etablieren,
- Zuständigkeiten für Cybervorfälle und Takedowns festlegen,
- Originaldateien und Veröffentlichungszeitpunkte von Texten, Fotos und Designs dokumentieren,
- Kund:innen klar kommunizieren, über welche Domains, E-Mail-Adressen und Konten das Unternehmen arbeitet,
- Mitarbeiter:innen aus Buchhaltung, Support und Vertrieb für Warnsignale sensibilisieren,
- einen kurzen Notfallplan mit Kontakten zu IT, Hosting, Rechtsberatung, Kommunikation und Polizei vorbereiten.
Gerade DMARC ist wichtig, wenn Betrüger zusätzlich E-Mails mit einer scheinbar echten Absenderdomain versenden. Die Einstellung verhindert zwar keine ähnlich geschriebene Fremddomain, erschwert aber den direkten Missbrauch der eigenen Domain im E-Mail-Verkehr.
Wie CASC bei Website Fraud helfen kann
Wurde Ihre Website kopiert oder unter Ihrem Unternehmensnamen eine betrügerische Website veröffentlicht, unterstützt Sie CASC bei der technischen Analyse und den notwendigen Sofortmaßnahmen.
Als IT- und Webagentur können wir unter anderem:
- die verdächtige Website technisch untersuchen und dokumentieren,
- Domain, Registrar, Hostinganbieter und weitere beteiligte Dienste ermitteln,
- prüfen, ob auch Ihre echte Website, Ihr Hosting oder Ihre E-Mail-Konten betroffen sind,
- technische Beweise und relevante Informationen für Takedown-Anfragen aufbereiten,
- Meldungen an Hostinganbieter, Registrare, Suchmaschinen und Plattformen koordinieren,
- Warnhinweise auf Ihrer Website veröffentlichen und Ihre digitale Kommunikation vorbereiten,
- Ihre Website absichern sowie Domain-, E-Mail- und Zugriffseinstellungen überprüfen,
- geeignete Monitoring- und Präventionsmaßnahmen für die Zukunft einrichten.
Wenn rechtliche Schritte, eine Strafanzeige oder die Durchsetzung von Unterlassungs- und Schadenersatzansprüchen notwendig sind, arbeiten wir mit spezialisierten Rechtsanwält:innen zusammen. So lassen sich technische und rechtliche Maßnahmen koordiniert umsetzen, ohne dass wichtige Informationen zwischen den beteiligten Stellen verloren gehen.
Verdächtige Website entdeckt?
Sie haben eine verdächtige Kopie Ihrer Website entdeckt oder sind sich nicht sicher, ob ein konkreter Auftritt tatsächlich betrügerisch ist? Kontaktieren Sie uns möglichst frühzeitig. Je schneller der Vorfall geprüft wird, desto besser lässt sich seine weitere Verbreitung begrenzen.
Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.